Wintersonne Winterlandschaft

     Rohmaner-Ulrichseer Rundbrief im Advendt 1988


      
aus: Träume zur Weihnachtszeit
      Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
      Perlmuttergrau ans Scheibenglas.
      Da blühn bis an die Fensterritzen
      Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.
      Kristalle schaukeln von den Bäumen,
      die letzen Vögel sind entflohn.
      Leis fällt der Schnee – in unsern Träumen
      weihnachtet es seit gestern schon.

      Mascha Kaléko
   
   
   
   
   
   
   
   
   

Liebe Rohmaner und Ulrichsseer Landsleute
Wir grüßen Euch in dieser vorweihnachlichen Zeit mit einem Gedicht von Mascha Kaléko.
Es soll Ruhe und Besinnlichkeit in unsere Herzen bringen und uns auf die nahende Adventzeit einstimmen. Mascha Kaléko
Mascha Kaléko (gebürtig Golda Malka Aufen, geboren am 7. Juni 1907 im galizischen Chrzanów, Österreich-Ungarn, heute
Polen; gestorben am 21. Januar 1975 in Zürich) war eine deutschsprachige, der Neuen Sachlichkeit zugerechnete Dichterin.
   1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, übersiedelte zunächst die Mutter mit den Töchtern Mascha und Lea nach Deutschland, um Pogromen zu entgehen. In Frankfurt am Main besuchte Kaléko die Volksschule. Ihr Vater wurde dort aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft als "feindlicher Ausländer" interniert. 1916 zog die Familie nach Marburg, schließlich 1918 nach Berlin, ins Scheunenviertel der Spandauer Vorstadt (Grenadierstraße 17).
   Hier verbrachte Kaléko ihre Schul- und Studienzeit. Obwohl Kaléko eine gute Schülerin war und auch sehr daran interessiert, später zu studieren, war ihr Vater der Meinung, dass ein Studium für ein Mädchen nicht notwendig sei. 1922 heirateten ihre Eltern standesamtlich, sie wurde von ihrem Vater anerkannt und erhielt den Namen Mascha Engel.
   Kaléko begann 1925 im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands in der Auguststraße 17 eine Bürolehre. Nebenher besuchte sie Abendkurse in Philosophie und Psychologie, unter anderem an der Lessing-Hochschule und an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität).
   Am 31. Juli 1928 heiratete sie den knapp zehn Jahre älteren Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko, den sie seit 1926 kannte. Gegen Ende der zwanziger Jahre kam sie mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt, die sich im Romanischen Café traf. So lernte sie u. a. Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz kennen.
   1929 veröffentlichte Mascha Kaléko erste Gedichte (in der Zeitung Querschnitt), die im heiter-melancholischen Ton die Lebenswelt der kleinen Leute und die Atmosphäre im Berlin ihrer Zeit widerspiegeln. Ab 1930 wirkte sie beim Rundfunk und im Künstlerkabarett (Küka) mit. Edmund Nick und Günter Neumann vertonten ihre Texte, vorgetragen wurden diese von Interpretinnen und Schauspielerinnen wie Rosa Valetti, Claire Waldoff oder Annemarie Hase.

   Als wir uns vor 9 Monaten, am 20.03.2018 (am 53. Geburtstag unseres Heimatfreundes Reinhold Brosch), im städtischen Saalbau, in Herne Wanne-Eickel, an der Wilhelmstraße 26, zum ersten Rohmaner Ortstreffen versammelt hatten, war die Wiedersehensfreude groß. Viele von uns sahen sich nach 45 - 50 Jahren wieder. Es war ein aufrichtiges, herzliches Bedürfnis die Freunde, Nachbarn und Schulkolegen wiederzusehen.

   220 Personen waren zum ersten Rohmaner Treffen gekommen und nicht nur die Freude am Wiedersehen, auch die Erinnerungen an die geliebte Heimat waren in aller Munde. Viele Freundschaften wurden erneuert oder auch neu geschloßen. Es gab viel zu erzählen, denn Erinnerungen sind das Paradies aus dem man nicht vertrieben werden kann. Sagt ein Sprichwort.

   Das dieses Wort wahr ist, das konnten besonders die Älteren unter uns bestätigen. Wie oft gingen die Gedanken in die Vergangenheit ...........! Insbesondere die Kindheit und Jugendzeit erschien uns so unbeschwert und so sorglos, - diese unsere heile Welt vor 45 - 60 Jahren.

   Wer von uns, soweit er sich noch an Rohmanen oder Ulrichsee erinnert, ist nicht wieder in Gedanken auf dem Teich gerodelt oder mit dem Schlitten die Dorfstraße hinunter gefahren? Viele haben noch das Schlittengeläut in den Ohren oder den knirschenden Schnee, besonders bei sternklarer Nacht. Schön war es auch, wenn über Nacht eine dicke Schneedecke oder auch Rauhreif eine Zauberlandschaft aus unserem verträumten Dorf machte. Wen wundert es, daß unsere Heimat heute ein sehr gefragtes Urlaubsziel geworden ist. Venedig des Ostens wird unser Masuren genannt.
Mit einer besinnlichen Erzählung von Friedrich Naumannn, möchten wir euch heute in die Adventzeit und in das neue Jahr begleiten

Der heilige Abend

   Es ist Weihnachtsabend, die letzten kleinen Lichter brennen noch am Tannenbaum, die Kinder spielen, allmählich ruhiger geworden, mit den neuen Sachen, die Bescherung ist vorbei; ist nun auch aller Weihnachtsgedanke fertig und vorbei? Geht es nun wieder in gleichem Schritt und Tritt durch alle Tage, bis wieder einmal die Lichter angesteckt werden? Ist alle innere Erhebung nur wie der kurze Glanz des Bäumchens auf dem Tisch? Fallen wir nun, nach dem Feste, sofort wieder in unser gemächliches Gewohnheitschristentum, von dem man überhaupt kaum recht weiß, ob es noch Christentum ist? Oder bleibt uns etwas? Und wenn etwas bleibt, so fragt es sich, was dieses Bleibende ist.

   Es bleibt ein tiefer Eindruck davon, dass wir Christen eine Brudergemeinschaft sein sollten. Christi arme Krippe lässt uns nicht ganz zur ruhe kommen. Wir hörten in der Kirche singen: "Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich." Diese Liebe ist das heilige Weihnachtsgeschenk, das wir bis ins Innerste hinein fühlen. Jesus, der brüderlichste von allen, die leibhaftige Liebe, ist uns geboren. Er ist vor vielen Jahrhunderten geboren und stirbt nun niemals. Die Liebe ist lebendig und klopft bei uns an, ob wir sie einlassen wollen. Das Weihnachtsfest hat uns wieder gefragt: wollt ihr zum Reiche Gottes gehören, zum Bunde der Hilfe und Liebe? Ob wir wollen? Ja, Herr, wir möchten wohl, aber es ist uns zu schwer! Wir versuchen es, deine Liebe in unser Leben hineinzusetzen und machen dabei die beständige Erfahrung unserer großen Hilflosigkeit. Wo und wie soll man anfangen, um wirklich Liebe zu üben? Man versucht es mit einzelnen Menschen und merkt, wie viel dazu gehört, auch nur einigen anderen wirklich zu dienen. Hinter den einzelnen, die wir lieben möchten, stehen aber Tausende, grau und massenhaft, arme Menschen, mit armen Seelen. Liebst du die auch? Oder gehen diese dich nichts an? Ist die Masse nicht da für dich? wie kann man aber die Masse lieben? Soll man sie lieben in Zorn oder in Geduld? Soll man für sie kämpfen oder mit ihr leiden? Oder ist beides zugleich möglich? Was ist überhaupt allgemeine christliche Menschenliebe? Ist es etwas Wirkliches oder haben sich das fromme Leute nur so gedacht? Ach, lieber Heiland, der du aus Liebe in die Welt kamst und aus Liebe starbst, nimm du uns in der Stille der Weihnachtstage ruhig zur Seite und gib uns einen praktischen Unterricht in dem, worin du Meister bist! Herr, lehre uns Liebe haben!

   Wenn wir die rechte Liebe hätten, dann würden wir dem Frieden auf Erden näher sein. Wo lebendige Liebe ist, da ist persönlicher innerer Friede, denn da fehlt die Zerrissenheit, die durch Hass und Neid in die Seelen hineinkommt. Wer wirklich liebt, der glaubt an Gott, denn er sieht sein Leben nicht als verloren an. Er hat einen Zweck, eine Aufgabe, er ist nicht ein Spiel des Zufalls und des blinden Ungefährs. Wer Christi Liebe versteht, der hat in sich das Verständnis gewonnen für den Zusammenklang: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden! Er ist herausgenommen aus der Welt der bloßen irdischen Nichtigkeiten. solche Personen aber sind die Vorboten besserer Zustände im menschlichen Gemeinschaftsleben. Aus ihrer Gottes - und Nächstenliebe heraus entwickelt sich ein Geist wahren Christentums, der wie eine seelische Elektrizität von einem auf den andern übergeht, von Eltern auf Kinder weiterströmt, und weiter wirkend viel hartes Menschenmetall schmilzt und viel frohe Botschaft vermittelt. Wir lernen zur heiligen Weihnacht daran glauben, dass auch die Liebe des kleinsten und ärmsten Menschenkindes nicht vergeblich ist zum Herbeiführen des Friedens auf Erden. Dieser Friede, nach dem eine tiefe Sehnsucht in jeder Brust schlummert, ist nicht ohne Kampf zu erreichen, er kommt auch nicht mit einem Male, aber niemand ist, hoch oder niedrig, der ihm nicht dienen könnte, wenn er nur will.

von Friedrich Naumannn 1860 - 1919

Wieder sind einige unserer Landsleute für immer von uns gegangen:
Seit dem letzten Rundbrief im Dezember 1987 wurden uns nachfolgende Heimatfreunde als verstorben gemeldet.

Gesangbuch mit Ähren

Bork Ottilie, geb. Lenski, geboren 23.07.1900, gestorben 21.03.1988, mit 87 Jahren_aus Rohmanen
Willam Willi, geboren 19.05.1904, gestorben 27.06.1988, mit 84 Jahren_aus Rohmanen
Glinka Frieda, geb. Butzek, geboren 22.07.1908, gestorben 11.12.1988, mit 80 Jahren_aus Rohmanen
Baschek Emil, geboren 22.03.1906, gestorben xx.12.1988, mit 82 Jahren_aus Rohmanen
Pietzonka Erna, geb. Bonk, geboren 31.12.1903, gestorben xx.xx.1988, mit 84 Jahren_aus Rohmanen
Trzaska Erna, geb. Hülmann, geboren 04.07.1912, gestorben xx.xx.1988, mit 76 Jahren_aus Rohmanen

Wir trauern mit den Angehörigen (über den Verlust unserer Heimatfreunde)
und wünschen ihnen Gottes Beistand in ihrer Trauer.

   

Unsere ältesten Ortsbewohner, ab 80 Jahre, möchten wir besonders herzlich grüßen und freuen uns aufrichtig daß wir sie noch haben dürfen, denn sie sind uns ein Stück lebendige Heimat.
Unsere ältesten Rohmaner:

Kiy Friedrich, geboren 13.12.1896
Grzesny Anna, geboren 19.09.1898
Butzek Martha, geb. Wieczorrek, geboren 09.01.1898
Wank Anna, geb. Grzesny, geboren 19.09.1898
Bieber Auguste geb. Wichert, geboren 15.05.1900
Jaschinski Auguste, geb. Katzmarski, geboren 26.08.1901
Maczey Wilhelm-Karl, geboren 08.11.1901 Adventskranz
Wittkowski Ottilie, geb. Kruska, geboren 16.11.1901
Bork Martha, geb. Kruska, geboren 24.12.1901
Nickel Emma, geb. Pilath, geboren 01.05.1902
Fredrichs Wilhelmine, geb. Grzesny, geboren 15.10.1902
Deptplla Emma, geb. Maxim, geboren 12.10.1903
Przygodda Auguste, geb. Grzesny, geboren 30.06.1904
Rohman Frieda, geb. Glitza, geboren 29.08.1904
Kiy Auguste, geb. Tonk, geboren 22.10.1904
Pietzonka Emil, geboren 14.07.1906
Linka Gustav, geboren 14.04.1907
Raeder Hedwig, geb. Bednarz, geboren 04.12.1907
Linka Marta, geb. Szymanski, geboren 05.02.1908
Rosowski Grete, geb. Cybulski, geboren 20.02.1908
Brosch Gustav, geboren 28.02.1908
Wittek Herta, geb. Bahl, geboren 06.03.1909
Wittek Emma, geb.Bukowski, geboren 19.03.1909
Linka Emma, geb. Witulski, geboren 11.09.1909

Unsere ältesten Ulrichseer:

vier Kerzen

Lammek Marie, geb. Matzey, geboren 01.02.1898
Kruska Ottilie, geb. Gusek, geboren 29.03.1899
Waschulewski Ottilie, geb. Borutta, geboren 01.07.1900
Thybusch Minna, geb. Nikutta, geboren 07.10.1900
Zielonka Marta, geb. Orzessek, geboren 18.04.1901
Lumma Marie, geb. Gusek, geboren 16.04.1903

Das nächste Rohmaner-Ulrichseer Orts-Treffen findet am Sonntag 11. Juni 1989 statt.
Wir versammeln uns wieder am gewohnten Ort: Im Saalbau Herne-Wanne, Wilhelmstraße 26.
> Einlass ca. 9:30 Uhr, offizieller Beginn ca. 11:00 Uhr. <<

Allen unseren Landsleuten wünschen wir zum Jahreswechsel viel Glück und Erfolg. Gottes Segen, seine Bewahrung und seinen Schutz an jeden Tag im neuen Jahr und die Erfahrung, daß er mit uns geht.

Wir werden auch weiterhin zur Advendtszeit unseren Rundbrief verschicken, damit auch diejenigen, die an unserem Treffen nicht mehr teilnehmen können, über die Dorfgemeinschaft Rohmanen-Ulrichsee informiert sind.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit möglichst a l l e n Rohmanern und Ulrichseern und grüßen in heimatlicher Verbundenheit:
   
Edith Ickert, (geb. Opretzka)        und Andreas Kossert(Enkel von Otto und Erna Biella, geb. Kruska)


Tannengirlande


   
   

Zurück zum:Rundbrief 1988

Weiter zum:Rundbrief 1989

Zurück zu:Informationen und Mitteilungen zu Rohmanen-Ulrichsee